Auf zum Ganges, oder wir gehen ins Kino
Dienstag, Dezember 11th, 2007Wir sitzen in unserem klapprigen Kleinwagen und wundern uns, dass wir noch keinen Unfall hatten. Über zwei Stunden haben wir gebraucht um das erste Mal sagen zu können, wir haben die Megametropole Delhi verlassen. Der Verkehr hier draußen ist einfach nur brutal und unmenschlich. Wenn er in der Stadt selbst schon sehr funky ist, gibt es hier nur noch ein Gesetz: das Gesetz von Hollywood!
Hollywood? Ich erkläre es Euch. Die Überlandbusse fahren teilweise mehrer Tage zwischen den weit verstreuten Städten in diesem riesigen Land. Es ist wohl wahnsinnig langweilig, so ein Fahrzeug stundenlang auf den schlecht gebauten Landstraßen zu lenken. Und was macht man wenn einem langweilig ist? Man spielt! Schon zigmal brachten uns daher rasende Überlandbusse zur Vollbremsungen, weil sie einfach auf unserer Spur fuhren! Frontal, mit Licht- und Tonhupe. Und da war es, das aus unzähligen Actionfilmen bekannte „Angsthasen-Spiel“. Die Regeln? Ganz einfach: wer ausweicht hat verloren! Wir, der Kleinwagen und seine drei Insassen, haben verloren, ständig, immer wieder.
Doch es gibt noch einen Film der mir in den Sinn kommt, auf dieser endlosen Tour ins Himalaja Gebirge: „Speed“. Könnte es sein, dass die tausenden Busfahrer auf dieser Strecke in dem Film „Speed“ gefangen sind? Sie können einfach nicht unter der Geschwindigkeit von 80 km/h fahren. Ein geheimer Sprengsatz, eine Bombe, ist an Bord. Hat denn niemand den vielen indischen Busfahrern erzählt, dass es längst eine schlechte Fortsetzung dieses Streifens gibt, und es ohnehin völlig blöd ist, Filmszenen in der Realität nach zu spielen? O.K., es gibt natürlich Ausnahmen. Zum Beispiel Lichtschwertkämpfe im Hausflur oder das Nachmachen der Musik von „Der weiße Hai“ wenn man im Meer schwimmt. Das ist etwas völlig anderes.
Hoffentlich kommen wir sicher in Haridwar an. Meine Freundin schläft, ich beneide sie.


